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Teilzeit ist kein Lifestyle: VdK und Weibernetz fordern Politik zum Handeln

09. März 2026

Teilzeit ist kein Lifestyle, sondern oft Folge fehlender Betreuungs- und Pflegeinfrastruktur

Berlin – Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, machen Verbände und Vertreterinnen der Betroffenen erneut deutlich: Die Debatte um die sogenannte Lifestyle-Teilzeit greift zu kurz und verkennt die Realität vieler Frauen in Deutschland. Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, bezeichnet den Vorwurf als respektlos und realitätsfern. Sie betont, dass unbezahlte Sorgearbeit und fehlende Angebote Frauen systematisch in Teilzeit und damit in finanzielle Undichtigkeit drängen.

Ein aktueller Bericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts bestätigt, was Betroffene seit Jahren schildern: Teilzeit ist überwiegend weiblich besetzt und hat weitreichende Folgen. Niedrigere Einkommen, geringere Chancen auf Führungspositionen und ein erhöhtes Risiko von Altersarmut sind direkte Folgen vielfacher Teilzeitbiografien. Bentele fordert daher eine stärkere politische Anerkennung unbezahlter Sorgearbeit sowie konkrete Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Barrieren für Frauen mit Beeinträchtigungen

Das Weibernetz, die bundesweite Interessensvertretung behinderter Frauen, weist zusätzlich auf eklatante Mängel hin, die die Selbstbestimmung von Frauen mit Beeinträchtigungen einschränken. Beatrice Gómez berichtet von landesweit nur fünf eingeschränkt barrierefreien gynäkologischen Spezialambulanzen und lediglich zwei barrierefreien Angeboten für Geburtsvorbereitung. Wohn- und Unterstützungsangebote für Mütter mit Lernschwierigkeiten seien kaum vorhanden, und Frauen mit Lernschwierigkeiten würden deutlich häufiger sterilisiert als andere Frauen.

Gómez macht deutlich, dass sexuelle und reproduktive Rechte, wie sie in der UN-Behindertenrechtskonvention verankert sind, in Deutschland nicht flächendeckend verwirklicht werden. Sie fordert gesetzliche Nachbesserungen, mehr barrierefreie medizinische Angebote und spezialisierte Begleitung für werdende Mütter mit Beeinträchtigungen.

Konkrete Forderungen

  • Ausbau von Kitas, Pflegeinfrastruktur und barrierefreien Gesundheitsangeboten
  • Verpflichtung privater Anbieter, inklusive Arztpraxen, zur Barrierefreiheit
  • Förderung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung statt Minijobs
  • Reform des Elterngeldes und Überprüfung steuerlicher Modelle zugunsten partnerschaftlicher Sorgearbeit
  • Ein armutsfestes Rentensystem, das unbezahlte Pflege- und Sorgearbeit anerkennt

Die Forderungen sind Teil einer breiteren Debatte um Gendergerechtigkeit und Inklusion: International sichern Menschenrechtsabkommen Gleichberechtigung zu, doch national und global ist derzeit ein Rückschritt zu beobachten, warnen die Verbände. Zum Abschluss des Tages erinnerten Bentele und weitere Vertreterinnen an die historischen Wurzeln des 8. März, der aus der Arbeiterinnen- und Frauenbewegung des frühen 20. Jahrhunderts hervorgegangen ist und bis heute für das Recht auf Selbstbestimmung und gleiche Teilhabe steht.

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