Teilzeitmodell in der Pflegeausbildung öffnet Eltern neue Perspektiven
Frankfurt — Im Frühjahr 2026 haben neue Auszubildende bei der Agaplesion Markus Diakonie gGmbH ihre Pflegeausbildung begonnen, viele von ihnen im Teilzeitmodell. Die Initiative richtet sich gezielt an Eltern mit jungen oder schulpflichtigen Kindern und will Familie und berufliche Qualifikation besser verbinden.
Teilzeit macht Ausbildung mit Kindern planbar und realistisch
Die reguläre generalistische Pflegeausbildung dauert drei Jahre und wechselt kontinuierlich zwischen Theorie und Praxis. Im teilzeitigen Modell erweitert sich die Ausbildungszeit auf vier Jahre. Die Auszubildenden arbeiten 25 Stunden pro Woche, und alle beteiligten Praxisstellen tragen die reduzierte Arbeitszeit mit. Laut den Trägerangaben kooperiert die Einrichtung mit Pflegeschulen, die eine Teilzeitausbildung etwa alle zwei Jahre anbieten.
Die derzeitigen Teilzeitlernenden sind zwischen 30 und 50 Jahre alt. Gemeinsam haben sie meist junge Kinder. Praxisanleiterin Christina Ehm betont den praktischen Nutzen des Angebots: «Für junge Eltern, die oft Mütter sind, verbessert das Modell die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich.» Um diese Balance zu unterstützen, bieten die Häuser flexiblere Dienstzeiten an, etwa spätere Schichtanfänge, und ermöglichen eine flexiblere Urlaubsplanung.
Ein konkretes Beispiel ist die 34-jährige Evelina Herbut. Sie begann im März mit einem Theorieblock und absolviert aktuell einen Praxiseinsatz im Agaplesion Schwanthaler Carré. Ihre Dienstroutine sieht leichte Vormittagsschichten mit Arbeitszeiten von 8:30 bis 13:30 Uhr an fünf Tagen pro Woche vor. Parallel zur Pflegeausbildung bildet sie sich zur Heilpraktikerin weiter. Für Herbut ist das Teilzeitmodell der erste Kontakt mit dem Berufsfeld Pflege: «Als Mutter einer jungen Tochter habe ich durch die Teilzeitausbildung mehr Zeit fürs Lernen und für die Familie», berichtet sie.
Die Teilzeitvariante verlangt nicht nur Anpassungen bei Stundenkonten, sondern auch bei der Organisation der Praxislernorte. Nach Angaben der Praxisanleiterin werden Einsätze in ambulanten Diensten, Pädiatrie, Akutpflege, stationärer Langzeitpflege und Psychiatrie entsprechend gestreckt, damit Auszubildende alle erforderlichen Kompetenzen erwerben können.
Träger und Ausbilder sehen im Modell eine Chance, den Wiedereinstieg für Eltern zu erleichtern und langfristig mehr Berufsqualifizierte für die Pflege zu gewinnen. Ob das Angebot flächendeckend ausgebaut wird, hängt nach Einschätzung der Verantwortlichen von der Unterstützung durch Pflegeschulen und Praxispartner sowie von ausreichenden Kapazitäten in den Einsatzstellen ab.
Hintergrund: Die Teilzeitausbildung ist als Antwort auf die Herausforderungen der Vereinbarkeit gedacht. Sie verlängert die Ausbildungsdauer, reduziert die Wochenarbeitszeit und setzt voraus, dass Praxiseinsätze partnerschaftlich mit den beteiligten Einrichtungen abgestimmt werden.

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