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Teilzeit führt zu spürbaren Rentenverlusten – bis zu 200.000 Euro Unterschied

06. April 2026

Teilzeitarbeit kann das Vermögen fürs Alter über Jahrzehnte deutlich schmälern

Berlin – Immer mehr Menschen in Deutschland arbeiten nicht mehr Vollzeit. Die Folge ist nicht nur ein geringeres laufendes Einkommen, sondern oft auch eine erhebliche Lücke beim Vermögensaufbau für die Rente. Berechnungen zeigen: Teilzeitphasen können bis zu 200.000 Euro Unterschied beim Depotstand im Rentenalter bedeuten.

Im Jahr 2024 war jeder vierte Erwerbstätige in Teilzeit, bei Frauen lag der Anteil bei fast 49 Prozent, bei Männern nur bei rund 12 Prozent. Experten warnen, dass sich diese Arbeitsmuster langfristig in niedrigeren Rücklagen und damit schlechterer Altersabsicherung niederschlagen.

Rechenbeispiele zeigen die Dimension

Das Vergleichsportal Verivox hat drei typische Karriereverläufe durchgerechnet. Ausgangspunkt ist ein ETF-Sparplan mit einer angenommenen Jahresrendite von 7,5 Prozent:

  • Durchgehend Vollzeit: Eine Person legt ab dem 30. Lebensjahr monatlich 300 Euro an. Insgesamt fließen 136.800 Euro ein, das Depot wächst bis zum Renteneintritt auf rund 730.000 Euro.
  • Teilzeit in frühen Jahren: Arbeitet dieselbe Person zwischen 30 und 40 Jahren halbtags und spart in dieser Zeit nur 150 Euro monatlich, steigt danach wieder auf Vollzeit und 300 Euro Sparrate. Insgesamt werden 118.800 Euro eingezahlt; bis zum Rentenbeginn ergibt sich ein Depot von etwa 529.200 Euro – mehr als 200.000 Euro weniger als im durchgehenden Vollzeitmodell.
  • Dreiviertelstelle: Wer statt Vollzeit dauerhaft drei Viertel arbeitet und die Sparrate entsprechend anpasst, kommt bis zum Ruhestand auf rund 629.600 Euro und verliert damit etwa 100.400 Euro gegenüber der Vollzeitvariante.

Die Zahlen zeigen: Selbst moderate Reduktionen der Arbeitszeit können über Jahrzehnte zu enormen Unterschieden führen. Gleichzeitig verdeutlichen sie, wie stark Zinseszinseffekte wirken: Schon 100 Euro monatlich über Jahrzehnte können ein nennenswertes Polster schaffen. Wer 100 Euro monatlich über 37 Jahre anlegt, könnte bei der genannten Rendite ein Depot von rund 243.300 Euro erreichen, obwohl nur 45.600 Euro eingezahlt wurden.

Warum besonders Frauen betroffen sind

Teilzeitarbeit als Folge familiärer Verantwortung trifft überwiegend Frauen. Fast 29 Prozent der Frauen geben Betreuung von Angehörigen als Grund für reduzierte Arbeitszeit an, bei Männern sind es etwa 7 Prozent. Das hat Auswirkungen auf Lohn, Sparfähigkeit und später auf die Rentenhöhe.

Melanie Ulbrich, Finanzexpertin bei Verivox, mahnt zu mehr Bewusstsein: «Die finanziellen Folgen von Teilzeitphasen werden noch immer häufig unterschätzt. Gerade wenn Teilzeitarbeit unvermeidbar ist, sollten Partnerinnen und Partner über Ausgleichsmechanismen sprechen, damit die Versorgungslücke nicht allein zulasten einer Person entsteht.»

Praktische Konsequenzen

Wer seine Erwerbszeit reduziert, sollte frühzeitig prüfen, wie sich diese Entscheidung auf die Altersvorsorge auswirkt. Mögliche Schritte sind ein zusätzlicher Sparplan, eine höhere Sparrate in längeren Vollzeitphasen oder der gezielte Ausgleich innerhalb der Partnerschaft. Kleine regelmäßige Beträge können wegen des Zinseszinseffekts über Jahrzehnte eine große Wirkung entfalten.

Die Diskussion um Erwerbsmodelle, Care-Arbeit und gerechte Vorsorge bleibt damit zentral für die Frage, wie Altersarmut verhindert und finanzielle Ungleichheit reduziert werden kann.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: fr.de

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