Teilzeit auf Rekordkurs: Fast 17 Millionen Beschäftigte arbeiten geteilt
Teilzeit erreicht neuen Höchststand in Deutschland
Die Zahl der Teilzeitbeschäftigten in Deutschland ist 2025 auf ein Rekordniveau gestiegen. Nach einer Arbeitszeitberechnung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) arbeiteten im vergangenen Jahr 16,88 Millionen Menschen in Teilzeit, ein Anstieg um rund 1 Prozent gegenüber 2024. Parallel ging die Zahl der Vollzeitbeschäftigten leicht zurück und lag bei 25,43 Millionen.
Die Folge: Die Teilzeitquote erhöhte sich auf 39,9 Prozent und erzielte damit den höchsten Jahreswert seit Beginn der entsprechenden Aufzeichnungen. Insgesamt blieb die durchschnittliche Wochenarbeitszeit aller Beschäftigten mit 30,4 Stunden auf dem Niveau des Vorjahres, das gesamte Arbeitsvolumen nahm jedoch geringfügig um 0,2 Prozent ab.
Branchenverschiebungen treiben Entwicklung
Laut IAB erklärt sich die Zunahme der Teilzeit vor allem durch Verschiebungen zwischen Branchen. Bereiche mit traditionell hohem Teilzeitanteil, etwa Gesundheits- und Sozialwesen, bauten Beschäftigung aus, während Industriezweige mit hohem Vollzeitanteil Anteile verloren. Dadurch verändert sich die Zusammensetzung des Arbeitsmarkts ohne dass die durchschnittliche Wochenarbeitszeit deutlich sinkt.
IAB-Experte Enzo Weber fasst die Lage so zusammen: «Teilzeit war bisher kein Verlustgeschäft. Dennoch gibt es hier noch viel zu gewinnen, vor allem bei einer stärkeren beruflichen Entwicklung von Frauen.»
Politische Debatten um Arbeitszeit und Teilzeitrecht
Die Zahlen kommen zu einem Zeitpunkt intensiver politischer Diskussionen. Vertreterinnen und Vertreter der CDU fordern seit Monaten, die Erwerbsbeteiligung zu steigern. Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion sorgte zuletzt für Schlagzeilen, indem sie den bestehenden Rechtsanspruch auf Teilzeit kritisch hinterfragte. Solche Forderungen treffen auf eine Realität, in der ein wachsender Anteil der Beschäftigten bewusst weniger Stunden arbeitet oder in Branchen mit flexibleren Modellen tätig ist.
Ausblick und Folgen für den Arbeitsmarkt
Die Stabilität der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit bei gleichzeitig steigender Teilzeitquote zeigt, dass die Debatte um Arbeitszeit nicht nur eine Frage der Stundenkonten ist, sondern auch der Branchenstruktur und der beruflichen Perspektiven. Insbesondere bei der Karriereentwicklung von Frauen und der Gestaltung flexibler Arbeitsmodelle sehen Experten noch Handlungsbedarf.
Die Gesamterwerbstätigkeit blieb 2025 mit rund 45,98 Millionen Menschen nahezu unverändert. Für Politik und Unternehmen gilt es nun, Antworten zu finden, die Produktivität, Beschäftigungschancen und faire Entwicklungsperspektiven in Einklang bringen.

01. Mai
Teilzeit auf dem Vormarsch in Sachsen: Anteil steigt auf 35 Prozent«Mehr Menschen, weniger Stunden – ein Wandel, der Alltag und Lohnfragen aufwirft»
Weiterlesen ⮞

02. Mai
GKV-Reform trifft Minijobs: Kleine Einkommen geraten unter Druck, Gewerkschaften fordern mehr«Minijobs werden teurer und viele fürchten um ihre Jobs»
Weiterlesen ⮞

01. Mai
Ende einer Beitragsspezialregelung: Bis zu einer Million Beschäftigte verlieren Vorteil in der Arbeitslosenversicherung«Mehr Arbeit, weniger Schutz? Teilzeit trifft es hart»
Weiterlesen ⮞