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Regierung packt Rentenlücken an: Aktivrente, neue Riester-Nachfolge und die Kostenfrage

28. März 2026

Neue Regeln für Riester, Aktivrente und private Vorsorge sollen Lücken im System schließen

Das Alterssicherungssystem in Deutschland steht vor einem spürbaren Umbau. Der Bundestag hat jüngst eine umfassende Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen und zugleich die so genannte Aktivrente auf den Weg gebracht. Ziel der Maßnahmen ist es, private Sparanreize zu stärken und ältere Beschäftigte zum Weiterarbeiten zu motivieren. Ob dies ausreicht, um das wachsende Ungleichgewicht zwischen Beitragszahlern und Rentenempfängern zu entschärfen, bleibt offen.

Was ändert sich bei der privaten Vorsorge

Ab 2027 wird die bisherige Riester-Förderung durch neue staatlich geförderte Altersvorsorge-Depots ersetzt. Statt starrer Beitragsgarantien setzt die Reform stärker auf Aktien- und Fondssparpläne, um Renditechancen zu erhöhen. Staatliche Zuschüsse werden gestaffelt: für Einzahlungen bis 360 Euro jährlich gibt es 50 Cent pro Euro, für Einzahlungen zwischen 360 und 1 800 Euro 25 Cent pro Euro. Der maximale Jahreszuschuss beträgt damit 540 Euro. Eltern erhalten einen Kinderzuschlag von bis zu 300 Euro pro Jahr, wenn sie monatlich mindestens 25 Euro einzahlen. Für Sparerinnen und Sparer, die kein Risiko eingehen wollen, bleiben weiterhin Garantieprodukte verfügbar.

Wie die Aktivrente funktioniert

Die Aktivrente soll älteren Beschäftigten einen direkten finanziellen Anreiz zum Weitermachen bieten: Bis zu 2 000 Euro monatlich sind steuerfrei, der Freibetrag wird bereits bei der Lohnzahlung berücksichtigt. Die Regelung ist automatisiert und der Freibetrag wird vom Arbeitgeber bei der Lohnsteuerberechnung angewandt. Zudem unterliegt dieses zusätzliche Einkommen nicht dem Progressionsvorbehalt, sodass ein höherer Steuersatz auf andere Einkünfte weitgehend vermieden wird.

Sozialabgaben und Anspruchsvoraussetzungen

Obwohl die Aktivrente steuerfrei ist, fallen in Teilen Sozialabgaben an: Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sind zu leisten, der Arbeitgeber zahlt Rentenversicherungsbeiträge. Beiträge zur Arbeitslosenversicherung entfallen. Anspruch besteht nur, wenn das Regelrentenalter erreicht ist; Minijobs, Beamte, Selbstständige und Beschäftigte in der Land- und Forstwirtschaft sind ausgeschlossen. Damit profitieren vor allem Beschäftigte in sozialversicherungspflichtigen Anstellungen.

Wer zahlt das alles und mit welchen Folgen

Finanzminister Lars Klingbeil schätzt die Mindereinnahmen des Staates auf rund 890 Millionen Euro jährlich, aufgeteilt auf Bund, Länder und Gemeinden. Ökonomische Institute liegen teils deutlich höher: Das Institut der Deutschen Wirtschaft rechnet mit möglichen Einnahmeausfällen in Milliardenhöhe. Ob die Aktivrente tatsächlich einen relevanten Effekt auf die Erwerbsbeteiligung Älterer hat, ist wissenschaftlich umstritten.

Breitere Reformdebatte

Die Aktivrente und die Reform der Privatvorsorge sind Teil einer größeren Debatte über Stabilität und Gerechtigkeit des Sozialstaats. Vorschläge reichen von einer längeren Lebensarbeitszeit über die Einbeziehung von Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung bis hin zu einer internen Umverteilungsabgabe für wohlhabendere Rentnerinnen und Rentner, dem so genannten Boomer-Soli. Alle Optionen sind politisch heikel und würden unterschiedliche Gruppen treffen.

Was Rentnerinnen und Rentner wissen sollten

  • Die gesetzliche Rente bleibt für viele Haushalte unzureichend; zusätzliche Vorsorge bleibt ratsam.
  • Die Reform hebt die starre Beitragsgarantie für neue private Produkte auf, erhöht aber potenziell die Renditechancen.
  • Die Aktivrente bringt einen direkten Nettoeffekt durch Steuerfreiheit bis 2 000 Euro monatlich, jedoch sind Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zu zahlen.
  • Pensionen der Beamten folgen anderen Regeln als die gesetzliche Rente und liegen im Durchschnitt deutlich höher.

In den kommenden Monaten werden sich die praktischen Auswirkungen der Reform zeigen: Wie viele Menschen werden neue geförderte Depots nutzen, wie viele entscheiden sich für die Aktivrente, und wie entwickelt sich die Finanzlage von Bund und Kommunen?Die Diskussion um Verteilungsgerechtigkeit, Finanzierung und die Frage, wie Arbeit im Alter gestaltet werden kann, bleibt damit zentral für die politische Debatte in Deutschland.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: .wdr.de

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