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Mindestlohnumgehung verursacht nach DGB-Schätzung 64 Milliarden Euro Schaden

12. August 2026

DGB fordert konsequente Strafverfolgung gegen systematischen Mindestlohnbetrug

Der Deutsche Gewerkschaftsbund macht eine dramatische Bilanz: Zwischen 2015 und 2024 sind nach DGB-Berechnungen durch die Umgehung des gesetzlichen Mindestlohns rund 64 Milliarden Euro verloren gegangen. Nach Angaben der Gewerkschaft trugen Beschäftigte etwa 35 Milliarden Euro dieser Summe, 22 Milliarden Euro fehlten in den Sozialkassen und dem Fiskus entgingen rund sieben Milliarden Euro an Einkommensteuer.

Die Analyse stützt sich auf Auswertungen des sozioökonomischen Panels und kommt zu dem Ergebnis, dass im Schnitt jährlich rund zwei Millionen Menschen weniger als den jeweils gültigen Mindestlohn erhielten. Besonders betroffen sind Beschäftigte in Gastgewerbe, Handel und Landwirtschaft. Übliche Praktiken der Umgehung reichen von nicht bezahlten Arbeitsstunden über fingierte Abzüge bis zu unrealistischen Zeitvorgaben, die effektive Stundenlöhne drücken.

Der DGB wertet die fehlenden Sozialbeiträge als direkte Folge dieser Praktiken und stellt sie in Beziehung zu anstehenden Sparplänen bei den Sozialversicherungen. Die Gewerkschafter fordern härtere Sanktionen und mehr Personal für Kontrollen, um Lohnraub zu verhindern und den sozialen Ausgleich zu sichern.

Kontrollen, Zahlen und Gegenwehr

Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Zoll leitete 2024 knapp 6 200 Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf Verstöße gegen das Mindestlohngesetz ein. In 45 Prozent dieser Fälle ging es um nicht gezahlte oder verspätet gezahlte Löhne, in etwa der Hälfte wurden Dokumentationspflichten verletzt. Insgesamt verhängten die Behörden im Jahr 2024 Bußgelder in Höhe von rund 25,4 Millionen Euro.

Gleichzeitig beklagt der DGB eine chronische Unterbesetzung der Kontrollbehörden: Statistisch werde ein Unternehmen in Deutschland nur alle 140 Jahre kontrolliert, und rund 2 500 vakante Stellen bei der zuständigen Behörde seien ein erhebliches Problem.

Wirtschaftsverbände mahnen Vorsicht an

Arbeitgeberverbände betonen, dass die Mehrheit der Unternehmen den gesetzlichen Mindestlohn einhalte. Sie mahnen zugleich zur Vorsicht bei der Interpretation von Befragungsdaten, die Ungenauigkeiten enthalten könnten. Zugleich verweisen sie auf steigenden wirtschaftlichen Druck, der durch deutliche Mindestlohnerhöhungen entstehen könne.

Die Debatte bleibt politisch brisant: Es geht nicht nur um Geldströme, sondern auch um Vertrauen in das System, die Finanzierung der Sozialkassen und faire Wettbewerbsbedingungen. Gewerkschaften sehen Tarifverträge und verstärkte Kontrollen als zentralen Schutz gegen Lohndumping, während Arbeitgeber vor Folgen überhöhter Regulierung warnen.

Vor dem Hintergrund der DGB-Zahlen wächst der Druck auf Politik und Behörden, Kontrollen zu stärken und Verstöße konsequent zu verfolgen, damit der Mindestlohn tatsächlich zu einem effektiven Schutz gegen Lohndumping wird.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: tagesschau.de
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