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Ehegattensplitting bremst Erwerbsbeteiligung: Viele Frauen ziehen Teilzeit dem zusätzlichen Nettolohn vor

06. März 2026

Viele Frauen arbeiten nur in Teilzeit, weil sich Mehrarbeit finanziell nicht lohnt

Berlin — Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung zeigt: Für viele verheiratete Frauen im Alter von 45 bis 66 Jahren lohnt sich eine Ausweitung der Arbeitszeit kaum. Steuervorteile für Ehepaare und die ungünstige Steuerbelastung von zusätzlichem Arbeitseinkommen verringern den finanziellen Anreiz, von einem Minijob in Teilzeit oder Vollzeit aufzusteigen.

Kernaussagen der Untersuchung

Die Untersuchung ergab, dass etwa die Hälfte der befragten teilzeitbeschäftigten, verheirateten Frauen im genannten Alterssegment eine Ausweitung der Arbeitszeit ablehnt, weil vom Brutto kaum zusätzliches Netto übrig bleibt. Hauptursache ist demnach das Ehegattensplitting: Werden die Einkommen beider Partner zusammengerechnet und gemeinsam veranlagt, reduziert dies den Steuersatz derer mit geringerem Einkommen nicht selten nur marginal.

  • Rund 50 Prozent der Frauen zwischen 45 und 66 Jahren sehen finanziell keinen Nutzen in mehr Arbeitsstunden.
  • Hochgerechnete Effekte zeigen ein Potenzial von knapp 1,5 Prozentpunkten mehr Erwerbsquote und rund drei Prozent mehr Arbeitsvolumen in dieser Gruppe.
  • Das DIW leitet daraus eine mögliche Schaffung von etwa 175 000 Vollzeitstellen ab, falls steuerliche Anreize geändert würden.

Reformvorschläge und Debatte

Als steuersystemischen Gegenvorschlag hat die Bertelsmann-Stiftung das sogenannte Realsplitting ins Gespräch gebracht. Ein Realsplitting würde einen übertragbaren Grundfreibetrag schaffen und so die zusätzliche Steuerbelastung von Zuverdienst mindern. Eric Thode von der Stiftung meint dazu, «ein übertragbarer Freibetrag würde die Aufnahme oder Ausweitung einer Beschäftigung attraktiver machen».

Gleichzeitig betonen Expertinnen und Experten, dass individuelle Entscheidungen nicht allein von Geld bestimmt werden. Michaela Hermann von der Stiftung weist darauf hin, dass bessere Arbeitsbedingungen, verlässliche Kinderbetreuung und eine fairere Aufteilung unbezahlter Sorgearbeit ebenso wichtig sind, damit Frauen Vollzeiterwerb in Betracht ziehen.

Methodik und Ausblick

Für die Studie wurden im Juni 2025 insgesamt 3 788 Frauen ab 45 Jahren online befragt. Neben Familienstand und Bildungsabschluss wurden Gründe für Berufsaufgabe oder Minijobs erhoben sowie Bedingungen, unter denen Vollzeitarbeit erwogen würde. Auf dieser Basis wurden die gesamtwirtschaftlichen Beschäftigungseffekte hochgerechnet.

Die Ergebnisse liefern eine Grundlage für die laufende Diskussion um Steuerreformen und Arbeitsmarktpolitik in Deutschland. Sollten Steuervorteile für Ehepaare angepasst werden, könnte sich dies spürbar auf die Erwerbsbeteiligung älterer Frauen auswirken und das Arbeitsangebot im Land erhöhen.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: tagesschau.de

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