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Ehegattensplitting beenden und zugleich Familien stärken

06. April 2026

Ehegattensplitting beenden, aber familiengerecht umgestalten

Berlin, April 2026 — Bundesfinanzminister Lars Klingbeil treibt die Reform einer Praxis voran, die seit Jahrzehnten die Steuerung familiärer Erwerbsbiografien mitprägt. Das Ehegattensplitting steht zur Debatte: Kritiker warnen vor hohen Belastungen, Befürworter sehen eine Chance zur Gleichstellung. Klar ist: Eine Abschaffung allein reicht nicht. Sie muss so gestaltet werden, dass sie Frauen nicht bestraft und Familien nicht zusätzlich überlastet.

Was ist bekannt

Klingbeil plant eine grundsätzliche Reform des Splittings für neu geschlossene Ehen; bestehende Ehen sollen unberührt bleiben. Offiziell zielt die Reform darauf ab, steuerliche Fehlanreize zu beseitigen, die Frauen laut Befürwortern in Teilzeitdrängen. Gleichzeitig steht die Frage im Raum, wie der Staat die erwarteten Einsparungen in sozialpolitisch sinnvolle Maßnahmen reinvestiert.

Wer profitiert, wer verliert

Das Ehegattensplitting begünstigt vor allem Paare mit stark unterschiedlichem Einkommen. In seiner Entstehungszeit 1958 reflektierte es das Hausfrauenmodell der Nachkriegsjahre. Heute führt es in vielen Fällen dazu, dass Frauen Erwerbschancen reduzieren, Rentenlücken entstehen und finanzielle Abhängigkeit wächst. Unverheiratete Paare, Alleinerziehende und Patchworkfamilien bleiben steuerlich benachteiligt.

Welche Chancen bietet eine Reform

  • Eine auf Kinder ausgerichtete Förderung statt ausschliesslich auf Ehe könnte Familien ohne Trauschein besser erreichen.
  • Steuerliche Neutralität für Erwerbsentscheidungen kann Frauen Unabhängigkeit und bessere Rentenperspektiven bringen.
  • Studien deuten darauf hin, dass ein kinderbasiertes Modell die Geburtenrate moderat erhöhen könnte und zugleich Entscheidungsfreiheiten stärkt.

Was noch nötig ist

Steuergeschenke allein genugen nicht. Will der Staat wirklich mehr Eltern in gleichberechtigte Erwerbsbeteiligung bringen, braucht es gleichzeitig:

  • ausreichend gut betreute Betreuungsplätze mit Qualität, nicht nur Verwahrung,
  • flexible Arbeitsmodelle und Unternehmenskultur, die Care-Arbeit anerkennt,
  • faire Elterngeldregelungen und Investitionen in frühkindliche Bildung,
  • eine Absicherung von Lebensphasen mit Pflegebedarf.

Fazit

Die Abschaffung des Ehegattensplittings kann ein Schritt in Richtung Gleichstellung sein, wenn sie Teil eines umfassenden Pakets bleibt. Ohne Ausbau der Betreuungsinfrastruktur, ohne gerechte Verteilung von Care-Arbeit und ohne flexible Arbeitsbedingungen droht die Reform, Frauen aus einer Abhängigkeit zwar zu befreien, sie dafür aber mit zusätzlichen Belastungen zu konfrontieren. Politik darf nicht nur an der Steuerhebel drehen, sie muss den sozialen Rahmen schaffen, der echte Wahlfreiheit ermöglicht.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: eltern.de

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