Deutliche Lücke in Teilzeitquoten offenbart angespanntes Fachkräftepotenzial in Hessen
Frauen in Hessen arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit als Männer
Fulda – Eine neue Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB Hessen, vorgestellt von der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, legt zum Weltfrauentag deutliche Geschlechterunterschiede bei Teilzeitarbeit offen. Während das Beschäftigungswachstum vielerorts als Erfolg gewertet wird, zeigt die Auswertung zugleich, dass mehr als die Hälfte der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in Hessen Teilzeit arbeitet. Bei Männern liegt die Quote weit darunter.
Konkrete Zahlen aus dem Dezember 2024: 51 Prozent der Frauen in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung waren in Teilzeit tätig, bei den Männern waren es 14,6 Prozent. Diese Schere zieht sich über alle beruflichen Anforderungsniveaus hinweg, wenn auch mit auffälligen Unterschieden zwischen Helfer-, Fachkräfte-, Spezialisten- und Expertenebenen.
Muster nach Anforderungsniveau und Branche
Die Analyse zeigt, dass die Teilzeitquote bei beiden Geschlechtern am höchsten in Reinigungsberufen ist, gefolgt von sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen. Unterschiede treten bei Platz drei auf: Frauen arbeiten verstärkt in Teilzeit in Handelsberufen, bei Männern ist Teilzeit häufiger im Lebensmittel- und Gastgewerbe zu finden. Generell gilt: Je höher das Anforderungsniveau, desto niedriger die Teilzeitquote – dieser Trend ist bei Frauen deutlich ausgeprägter.
Als Gründe für Teilzeitarbeit nennt das Statistische Bundesamt neben familiärer Betreuung und Weiterbildung vor allem den Wunsch nach reduzierter Arbeitszeit. Viele Frauen bevorzugen in bestimmten Lebensphasen ein flexibleres Arbeitszeitmodell statt einer klassischen 40-Stunden-Woche, erklären die Forschenden.
Was bedeutet das für Fachkräfte und Arbeitszeitpolitik?
Dr. Frank Martin, Vorsitzender der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, mahnt zur Differenzierung: «Die Teilzeitquote gibt es nicht – die Daten zeigen eine große Heterogenität.» Vor dem Hintergrund von Fachkräfteengpässen sei es wichtig, Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass Arbeitszeiten sich in verschiedenen Lebensphasen besser anpassen lassen.
Dr. Laila Schmitt vom Regionalen Forschungsnetz des IAB Hessen ergänzt: «Flexible Arbeitszeitmodelle sind ein zentrales Instrument, um die Erwerbsbeteiligung von Frauen weiter zu erhöhen und vorhandene Potenziale im Arbeitsmarkt besser zu nutzen.»
Die Ergebnisse werfen Fragen an Politik und Arbeitgeber auf: Wie lassen sich flexible Modelle so entwickeln, dass sie sowohl betriebliche Anforderungen erfüllen als auch die Lebensrealität vieler Beschäftigter berücksichtigen? Die Autorinnen und Autoren der Studie sehen in einer differenzierten Debatte über Arbeitszeitgestaltung einen wichtigen Schritt, um Fachkräftepotenziale stärker zu erschließen.

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