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Teilzeitwunsch bleibt oft Wunsch: Langzeitstudie zeigt Blockaden für Männer im Arbeitsleben

30. September 2026

Wunsch nach weniger Arbeit bleibt in vielen Fällen Wunsch

Zürich — Eine umfassende Längsschnittanalyse der Universität Zürich zeigt, dass viele vollzeitarbeitende Männer sich eine Reduktion ihres Arbeitspensums wünschen, diesen Wunsch aber selten verwirklichen. Obwohl jährlich fast zehn Prozent der Männer Präferenzen für Teilzeitarbeit entwickeln, gelingt nur etwa jedem zehnten von ihnen der Schritt von der Vorstellung zur Realität.

Methodik und zentrale Befunde

Die Forschenden werteten Paneldaten aus den Jahren 2004 bis 2020 aus, um nachzuverfolgen, wann Männer den Wunsch nach Teilzeit äußern und ob sie diesen umsetzen. Die Studie dokumentiert zudem, dass die Schweiz mit einer Teilzeitquote von rund 40 Prozent unter allen Erwerbstätigen einen der höchsten Werte in der OECD aufweist. Der Anteil teilzeitarbeitender Männer hat sich seit 2000 von etwa zehn auf über 20 Prozent erhöht, während der OECD-Durchschnitt deutlich langsamer wuchs.

Barrieren im Berufsalltag

Als zentrale Hemmnisse identifizieren die Autorinnen und Autoren berufliche Normen und Rollenbilder. In Berufen, die stark vom Leitbild des männlichen Familienernährers und von hoher beruflicher Präsenz geprägt sind, entwickeln nur wenige Männer einen Teilzeitwunsch und noch weniger setzen ihn um. Dagegen steigt die Bereitschaft zur Pensenreduktion in Bereichen, in denen Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben gefördert wird.

Überraschende Verschiebungen

Die Studienleitung verweist auf Branchen, in denen sich Normen spürbar verändern. Als Beispiel nennen die Forschenden den Ärztemarkt: Immer mehr männliche Ärztinnen und Ärzte reduzieren ihre Arbeitszeit, was laut Studienleiter Jan Müller auf veränderte Prioritäten hinweist. «Das hat mich in einem Beruf, der bekannt ist für viele Überstunden, überrascht», sagt Müller. Ein wachsender Frauenanteil in medizinischen Berufen könnte ebenfalls zur Akzeptanz von Teilzeitmodellen beitragen.

Folgen und Perspektiven

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass die Möglichkeit, persönliche Arbeitszeitpräferenzen zu verwirklichen, Stress reduziert und die Gleichstellung fördert. Die Rahmenbedingungen in der Schweiz begünstigen eine Reduktion des Pensums, unter anderem wegen einer relativ langen Vollzeitarbeitswoche von fast 42 Stunden und vergleichsweise hoher Löhne, die Teilzeitarbeit finanziell realistischer machen als in vielen anderen Ländern.

Die Studie liefert wichtige Hinweise, welche Mechanismen die Zunahme von Teilzeitarbeit bei Männern antreiben und welche strukturellen und normativen Änderungen nötig sind, damit Wunsch und Wirklichkeit einander näherkommen.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: srf.ch
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