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Teilzeit als neue Normalität: Warum immer mehr Schweizerinnen und Schweizer das Pensum reduzieren

09. Mai 2026

Vier von zehn Erwerbstätigen arbeiten heute Teilzeit

Die Schweiz verändert ihr Verhältnis zur Arbeit: Fast 40 Prozent der Erwerbstätigen verzichten inzwischen auf ein 100‑Prozent‑Pensum. Die jüngsten Zahlen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) zeigen, dass 2024 rund 1,9 Millionen Menschen in Teilzeit tätig waren und die Quote seit 1991 deutlich gestiegen ist.

Die Verteilung ist alles andere als gleichmäßig. Entscheidend sind Geschlecht, Lebensphase und Berufsbild. Während Teilzeitarbeit bei Frauen seit einigen Jahren vorwiegend in Beschäftigungsgraden zwischen 50 und 89 Prozent verankert ist, steigt bei Männern auch die Zahl sehr kleiner Beschäftigungsgrade unter 50 Prozent.

Familienpflichten und Lebensphase prägen das Pensum

Die Rolle in der Familie bleibt ein starker Treiber: 74,9 Prozent der Mütter mit Kindern leben in Teilzeit, bei Vätern in der gleichen Situation sind es nur 14,3 Prozent. Das Alter des jüngsten Kindes beeinflusst die Stundenzahl deutlich: Bei Frauen erreicht die Teilzeitquote ihren Höhepunkt, wenn das jüngste Kind zwischen vier und zwölf Jahren ist, bei Männern ist Teilzeitarbeit eher verbreitet, wenn Kinder noch klein sind.

Alter und Beruf bestimmen die Arbeitszeit

Teilzeitarbeit nimmt mit dem Alter zu: Unter 25‑Jährigen arbeiten rund 28 Prozent teilzeitlich, unter 55‑ bis 64‑Jährigen sind es fast 43 Prozent. Branchenunterschiede sind stark ausgeprägt: Mehr als jede zweite Person in Dienstleistungsberufen und im Verkauf arbeitet teilzeitlich, während Handwerk und Montage deutlich seltener reduzierte Pensen aufweisen.

Unterschiedliche Gründe bei Frauen und Männern

Die Motive für eine Reduktion des Pensums unterscheiden sich klar nach Geschlecht. Frauen nennen am häufigsten Kinderbetreuung und familiäre Verpflichtungen als Grund, Männer häufiger Weiterbildung oder berufliche Neuorientierung. Zugleich gibt es in der Schweiz eine nicht zu vernachlässigende Zahl an Unterbeschäftigten: Rund 254 000 Personen würden gern mehr arbeiten und stünden innerhalb kurzer Zeit für ein höheres Pensum zur Verfügung. Auch hier sind überdurchschnittlich viele Frauen betroffen.

Europäische Spitze – aber nicht überall freiwillig

International steht die Schweiz mit einer Parttimequote von über 40 Prozent weit oben; nur die Niederlande liegen ähnlich hoch. Im europäischen Durchschnitt arbeiten deutlich weniger Menschen Teilzeit. Während viele ihre Arbeitszeit bewusst reduzieren, signalisiert die Zahl der Unterbeschäftigten, dass nicht jede verringerte Stundenzahl freiwillig gewählt ist. Die Debatte über flexible Arbeitsmodelle, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Lohneffekte von Teilzeitarbeit wird damit an Brisanz gewinnen.

In Bern und in anderen Regionen der Schweiz zeigt sich: Teilzeit ist kein Randphänomen mehr, sondern ein strukturprägender Faktor des Arbeitsmarkts.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: watson.ch
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