Mutterschaft als Armutsfalle: Wie Teilzeit und Ehegattensplitting Frauen in die finanzielle Abhängigkeit treiben
Mutterschaft darf nicht in finanzielle Abhängigkeit führen
Berlin — Die wirtschaftliche Lage vieler Mütter in Deutschland ist alarmierend. Eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds zeigt, dass ein großer Teil erwerbstätiger Frauen mit ihrem Einkommen nicht langfristig für sich und ein Kind sorgen kann. Unter Experten und Finanzbildnerinnen ist die Erkenntnis eindeutig: Teilzeitarbeit, geringere Aufstiegschancen und steuerliche Regelungen schaffen ein strukturelles Risiko, das vielfach Frauen trifft.
Natascha Wegelin, Gründerin von Madame Moneypenny, bringt es auf den Punkt: «Mutterschaft ist eine Armutsfalle.» Untersuchungen zeigten zuletzt, dass Mütter deutlich weniger verdienen als Väter und oft dauerhaft geringere Rentenansprüche und Vermögen ausbilden. Viertes Jahr nach der Geburt klafft laut Studien eine Lücke von mehreren Zehntausend Euro im Durchschnitt.
Kernursachen: Teilzeit, Mitversorgung, Rollenerwartungen
Ein wesentlicher Faktor ist die hohe Teilzeitquote: Fast jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit, bei Müttern steigt diese Zahl auf rund 68 Prozent. Teilzeit bedeutet häufig geringere Beförderungschancen, stagnierende Gehälter und weniger eigene Altersvorsorge. Hinzu kommt die gesellschaftliche Prägung, die finanzielle Absicherung in der Partnerschaft romantisiert und dadurch Abhängigkeiten normalisiert.
Wegelin kritisiert das Konzept der Mitversorgung: Was sich als bewusste Familienentscheidung darstellt, kann bei Trennung, Krankheit oder Tod zu existenziellen Problemen führen. Wer Jahre der Erwerbstätigkeit reduziert, baut weniger Vermögen und Rentenansprüche auf und steht im Zweifel allein da.
Praktische Schritte für Paare und Politik
Auf individueller Ebene plädiert Wegelin für offenere Gespräche in Partnerschaften und konkrete Ausgleichsmechanismen. Ihr Vorschlag: finanzielle Kompensationen, die direkt auf das Konto der Partnerin fließen, damit sie eigenständig vorsorgen kann. Solche Zahlungen sollten zumindest die Lücke zur bisherigen privaten Vorsorge decken, die durch reduzierte Erwerbsstunden entsteht.
Auf politischer Ebene fordert sie eine Revision von Steuerregeln, die Abhängigkeit belohnen. Das Ehegattensplitting von 1958 reflektiere ein vergangenes Familienbild und setze falsche Anreize. Vorschläge wie die Abschaffung des Splittings für Neuhaltungen oder ein Ausbau direkter Kinderleistungen würden Kinder wirtschaftlich direkter fördern und zugleich die Ungleichheit zwischen Partnern reduzieren.
Ein neuer Konsens ist nötig
Die Debatte verlangt Mut, alte Rollenmuster zu hinterfragen und wirtschaftliche Fairness in den Mittelpunkt zu stellen. Wegelin betont: «Viele Paare haben mehr Spielraum, als sie denken. Ein Gespräch über Geld kann protektiv wirken.» Statt Blumen oder Pralinen zum Muttertag empfiehlt sie einen ruhigen Moment, um Finanzen und Vorsorge gemeinsam zu ordnen.
Die Lösung liegt in einem Mix aus persönlicher Vereinbarung, transparenten Ausgleichsmodellen innerhalb von Partnerschaften und staatlichen Rahmenbedingungen, die individuelle Absicherung stärker fördern. Nur so lässt sich das Risiko reduzieren, dass Fürsorgearbeit in Armut mündet.

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