Gebäudereiniger warnen vor Kollaps: Minijob-Ende könnte Betriebe und Markt ins Chaos stürzen
Minijob-Aus bedroht viele Reinigungsbetriebe und verstärkt Personalnot
Die Abschaffung der Minijobs würde nach Einschätzung zahlreicher Unternehmen im Gebäudereiniger-Handwerk weitreichende Folgen haben. Eine Herbst-Konjunkturumfrage des Bundesinnungsverbands des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) unter 350 Mitgliedsbetrieben zeigt, dass Mehrheit und Stimmung in der Branche tief enttäuscht und beunruhigt sind.
Zwischen dem 2. und 20. September 2026 befragte der BIV seine Mitglieder. Demnach rechnen 92 Prozent der Betriebe mit einer Zunahme von Schwarzarbeit, 84 Prozent erwarten eine deutliche Verschärfung der schon jetzt spürbaren Personalknappheit. 68 Prozent gehen davon aus, dass Minijobber den Arbeitsmarkt ganz verlassen könnten, statt in sozialversicherungspflichtige Jobs zu wechseln. Für 40 Prozent wäre eine Abschaffung so gravierend, dass sie die Fortführung ihres Betriebs gefährdet sehen.
Die Zahlen spiegeln die besondere Struktur einer Branche wider, in der fast die Hälfte der Beschäftigten als Minijobber arbeitet und 77 Prozent dieser Minijobber eine Nebentätigkeit ausüben. Vor diesem Hintergrund lehnt eine klare Mehrheit von 76 Prozent der befragten Betriebe die Abschaffung der Minijobs ab.
Steigende Lohnnebenkosten und geplante Zusatzrente belasten Unternehmen
Neben den strukturellen Risiken befürchten Betriebe erhebliche Kostensteigerungen. Nach aktuellem Diskussionsstand sollen die Arbeitgeberbeiträge im Minijobbereich ab 2027 um 8,1 Prozentpunkte ansteigen, konkret 4,5 Punkte mehr für die Krankenversicherung und 3,6 Punkte mehr für die Pflegeversicherung. Zusätzlich sind ab 2028 kapitalgedeckte Zusatzrenten geplant, mit jeweils einem Prozentanteil für Arbeitgeber und Beschäftigte. Diese Belastungen schüren bei vielen Unternehmen Existenzängste und verschlechtern die Erwartungshaltung gegenüber der Politik.
Der Bundesinnungsmeister Thomas Dietrich kritisiert die Pläne scharf und warnt: «Mitten in der Krise ein bewährtes Modell für Unternehmen drastisch zu verteuern und für Millionen Menschen aufs Spiel zu setzen, ist wirtschaftspolitischer Irrsinn.»
Technik statt Personal: Robotik als Reaktion auf steigende Kosten
Als Reaktion auf steigende Lohnnebenkosten und anhaltende Personalengpässe denken viele Betriebe über vermehrten Einsatz von Technik nach. 58 Prozent der Befragten geben an, in den kommenden fünf bis zehn Jahren verstärkt Menschen durch Technik ersetzen zu wollen, etwa durch moderne Bodenschrubber oder automatisierte Reinigungslösungen. Damit droht eine weitere Transformation der Branche, die sowohl Chancen als auch soziale Probleme birgt.
Die wirtschaftliche Stimmung ist gedämpft: Nur 19 Prozent der Betriebe blicken positiv auf das laufende Geschäftsjahr, 30 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Der Ausblick auf 2027 fällt noch negativer aus: lediglich 17 Prozent sind optimistisch, 47 Prozent rechnen mit einer negativen Entwicklung. In der Gesamtbewertung der Bundesregierung erreicht die Große Koalition laut Umfrage nur 2,7 von 10 Punkten, ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Frühjahr.
In Deutschland bleibt das Gebäudereiniger-Handwerk mit rund einer Million Beschäftigungsverhältnissen das personalintensivste Handwerk. Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte appellieren viele Betriebsinhaber an die Politik, die Realität der Branche bei regulatorischen Entscheidungen stärker zu berücksichtigen.