Flexiblere Klinikführung: Teilzeit und Topsharing formen die Zukunft der Medizin
Medizinische Arbeitsmodelle müssen moderner und flexibler werden
Wiesbaden – Auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin diskutierten junge Ärztinnen deutliche Verschiebungen in der Arbeitskultur: Teilzeitarbeit gewinnt weiter an Bedeutung, und neue Führungsformen wie Topsharing stoßen insbesondere bei jüngeren Kolleginnen und Kollegen auf großes Interesse.
Sonja Mathes aus München verwies auf Daten des Marburger Bundes, denen zufolge 2024 rund 36 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in Teilzeit tätig waren. Die Zahlen belegten eine nachhaltige Entwicklung, die Personalplanung und Weiterbildung gleichermaßen präge. Junge Medizinerinnen und Mediziner legten zunehmend Wert auf eigene Gesundheit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie auf flexible Arbeitszeiten und erhöhte Mobilität.
Vanessa Rembold, Oberärztin der Intensivmedizin in München Harlaching, berichtete von ihren praktischen Erfahrungen mit Topsharing. Seit 2018 teilt sie ihre Oberarztstelle mit einer Kollegin. Die Arbeitsteilung nach fachlichen Stärken und organisatorischen Aufgaben habe das Team robuster gemacht: Verantwortlichkeiten werden verteilt, Kompetenzen ergänzt und im Krankheitsfall bleibt die Leitung besetzt.
Topsharing biete klare Vorteile, darunter geteilte Verantwortung, gegenseitige Entlastung und eine attraktivere Perspektive für Führungskräfte, die nicht in Vollzeit arbeiten wollen. Zugleich nannte Rembold typische Fallstricke: verstärkter Abstimmungsaufwand, verzögerte Entscheidungen und mögliche Verunsicherung im Team. Der Erfolg hänge maßgeblich von klaren Zuständigkeiten, regelmäßiger Kommunikation und einer einheitlichen Außenwirkung ab.
Was Kliniken tun sollten
- Arbeitszeitmodelle flexibilisieren und Teilzeitkarrieren strukturell ermöglichen
- Digitale Prozesse ausbauen und Dokumentationsaufwand reduzieren
- Topsharing als erprobtes Führungsmodell fördern und praxisorientiert einführen
- Führungsteams auf klare Aufgabenverteilung und transparente Kommunikation verpflichten
Die Veränderung der Arbeitsmodelle ist laut den Diskussionsteilnehmerinnen kein Luxusprojekt, sondern eine strategische Notwendigkeit. In den kommenden Jahren werden viele erfahrene Ärztinnen und Ärzte in den Ruhestand gehen. Um diese Lücke zu schließen, müsse die Medizin attraktive, zeitgemäße Arbeitsbedingungen bieten, die sowohl dem Wohl der Beschäftigten als auch der Versorgungssicherheit dienen.
Die Debatte in Wiesbaden machte deutlich: Es geht nicht um weniger Arbeit, sondern um andere Arbeitsteilung und um neue Wege in der Führung von Teams, die sowohl Qualität als auch Lebensqualität sichern sollen.

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