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Teilzeit und Altersvorsorge: Bis zu 40 000 Euro, die im Ruhestand fehlen können

16. März 2026

Teilzeit senkt die Rentenansprüche massiv

Berlin — Wer jahrelang Stunden reduziert, zahlt am Ende oft mit deutlich kleineren Rentenzahlungen. Expertenrechnungen zeigen, dass schon eine 20 Prozent geringere Arbeitszeit über zwei Jahrzehnte zu Verlusten in Höhe von rund 40 000 Euro führen kann.

Die Logik ist einfach: Rentenansprüche in der gesetzlichen Versicherung orientieren sich am Bruttoeinkommen. Fällt das Einkommen durch Teilzeit, sinken die eingezahlten Beiträge und damit die sogenannten Entgeltpunkte. Diese Punkte werden mit weiteren Faktoren multipliziert und bestimmen die spätere monatliche Bruttorente.

Konkretes Rechenbeispiel

Eine weit verbreitete Beispielrechnung vergleicht eine 40-Stunden-Woche mit 32 Stunden. Bei gleichbleibender Stundenlohnbemessung führt Vollzeit in dem Modell zu einem Entgeltpunkt pro Jahr, der aktuell etwa einem Rentenwert von 40,79 Euro pro Monat entspricht. Bei 32 Stunden bleiben nur rund 0,8 Entgeltpunkte übrig, also etwa 32,63 Euro monatlich. Über 20 Jahre summiert sich der Unterschied in diesem Szenario auf etwa 163,20 Euro weniger monatlich. Auf die 20 Jahre gerechnet ergibt das rund 39 168 Euro Einbuße.

Was Politik und Verbände sagen

Die Debatte um ein eingeschränktes Teilzeitrecht hat in der Politik und in Verbänden Kritik ausgelöst. VdK-Präsidentin Verena Bentele warnt davor, das Recht auf Teilzeitarbeit zu beschneiden. Für viele Menschen sei Teilzeit keine Lifestyle-Entscheidung, sondern die Voraussetzung dafür, Beruf, Kinderbetreuung oder Pflege miteinander zu vereinbaren. Arbeitsmarktforscher wie Peter Haan vom DIW betonen, dass eine Einschränkung des Teilzeitrechts dazu führen könnte, dass Menschen ganz aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, weil sie ihren Alltag sonst nicht mehr organisieren könnten.

Warum die Rentenpunkte 2024 bis 2026 teurer wurden

Hinzu kommt, dass das vorläufige Durchschnittsentgelt, das einen Entgeltpunkt definiert, in den Jahren 2024 bis 2026 deutlich gestiegen ist. Für 2026 liegt das vorläufige Durchschnittsentgelt bei etwa 51 944 Euro. In der Praxis bedeutet das, dass Beschäftigte in kurzer Zeit deutlich mehr verdienen müssen, um die gleiche Anzahl an Rentenpunkten zu erreichen wie zuvor.

Wer besonders betroffen ist

Die Belastung trifft viele Frauen deutlich härter. Statistikdaten zeigen, dass Mütter nach wie vor überproportional in Teilzeit arbeiten: Bei Eltern mit kleinen Kindern sind rund 73 Prozent der Mütter in Teilzeit, während die meisten Väter vollzeitbeschäftigt sind. Das führt langfristig zu einer geschlechtsspezifischen Rentenlücke.

Was Betroffene tun können

  • Prüfen, ob es im Haushalt einen finanziellen Ausgleich zugunsten der späteren Altersvorsorge geben kann.
  • Betriebliche Altersvorsorge frühzeitig prüfen und Arbeitgeberangebote nutzen.
  • Private Ergänzungen erwägen, etwa ETF-Sparpläne oder andere langfristige Anlageformen.
  • Unterlagen zu Arbeitszeiten, Auszeiten und Beitragszahlungen sorgfältig aufbewahren, damit später Ansprüche belegt werden können.
  • Falls möglich, länger berufstätig bleiben: Wer später in Rente geht, kann Zuschläge erhalten.
  • Sich über betriebliche Regeln zur Betriebsrente informieren, weil diese bei Wechsel in Teilzeit oft nach dem niedrigeren Einkommen berechnet werden kann.

Fazit

Teilzeit ist für viele Menschen der einzige Weg, Arbeit, Familie und Pflege zu vereinbaren. Gleichzeitig wirkt sie sich, ohne gezielten Ausgleich, negativ auf die gesetzliche Rente aus. Politik, Arbeitgeber und Sozialpartner sind gefragt, bessere Infrastrukturen sowie faire Lösungen für Vereinbarkeit und Altersvorsorge zu schaffen, damit Teilzeit nicht zu einer Armutsfalle im Alter wird.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: infranken.de

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