Rentenpaket beschlossen: Kurzfristige Sicherheit, offene Fragen für die lange Sicht
Rentenpaket sichert kurzfristig Stabilität, langfristige Risiken bleiben bestehen
Berlin — Der Deutsche Bundestag hat Anfang Dezember 2025 ein umfassendes Rentenpaket verabschiedet, das das Rentenniveau bis 2031 auf 48 Prozent sichern soll. Für Millionen Erwerbstätige und Rentnerinnen und Rentner ist das ein wichtiges Signal: Die gesetzliche Rente bleibt zunächst verlässlich. Zugleich wirft das Paket jedoch zahlreiche Fragen zur Finanzierung und sozialen Verteilung auf.
Was wurde beschlossen
Wesentliche Eckpunkte des Pakets sind:
- Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis 2031.
- Der allgemeine Beitragssatz bleibt 2026 bei 18,6 Prozent und steigt 2027 leicht auf 18,8 Prozent; die Beiträge werden paritätisch von Beschäftigten und Arbeitgebern getragen.
- Die Bundeshaushalte sollen Mehrkosten tragen, gleichzeitig wird die Rücklage der Rentenkasse von 20 auf 30 Prozent einer Monatsausgabe erhöht, ohne zusätzliche Bundesmittel fest vorzuschreiben.
- Erweiterte Anerkennung von Kindererziehungszeiten: Ab 2027 zählen für vor 1992 geborene Kinder künftig drei statt zweieinhalb Jahre Erziehungszeit.
- Erleichterungen beim Hinzuverdienst: Ab 2026 können Rentnerinnen und Rentner bis zu 2 000 Euro im Monat steuerfrei hinzuverdienen, ausgenommen sind bestimmte Gruppen wie Selbstständige, Beamtinnen und Beamte sowie Minijobberinnen und Minijobber.
- Initiativen zur Stärkung der betrieblichen Altersversorgung und eine geplante Rentenkommission, die bis Mitte 2026 Vorschläge für eine tiefgreifende Reform erarbeiten soll.
Reaktionen von ver.di und Kritikpunkte
Die Gewerkschaft ver.di begrüßt die Entscheidung, sieht darin aber nur einen Schritt. Verdi-Vorsitzender Frank Werneke lobt die Verabschiedung als Signal gegen die Angst vor Altersarmut, mahnt zugleich jedoch, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen und das Rentenniveau langfristig anzuheben. Scharfe Kritik übt ver.di an Plänen, das Rentenalter weiter anzuheben oder die Rentenanpassung stärker an der Inflation statt an der Lohnentwicklung auszurichten. Solche Änderungen könnten die Kaufkraft der Renten schwächen und Altersarmut verschärfen.
Weitere Sorge bereitet die vorgesehen Erhöhung der Rücklagen ohne klaren zusätzlichen Bundeszuschuss. Das Gesetz lässt die Möglichkeit eines einmalig höheren Beitragssatzes zu, was kurzfristig Beschäftigte und Betriebe belasten könnte.
Wer ist besonders betroffen
Besonders gefährdet sind weiterhin Frauen, Niedrigverdienende, Menschen mit prekärer Erwerbsbiografie und viele Ostdeutsche. Jahrzehntelang verbreitete Hinzuverdienstmodelle im Westen, Minijobs und Teilzeit haben bei vielen Frauen zu geringen eigenen Rentenanwartschaften geführt. Ver.di fordert daher ein Sofortprogramm gegen Altersarmut: höhere Mindestlöhne, Abschaffung von Minijobs, eine Ausweitung der Versicherungspflicht auf Selbstständige sowie eine Stärkung der Betriebsrenten, vor allem für Geringverdienende und Frauen.
Praktische Folgen und Ratschläge
Für Beschäftigte mit Minijobs gelten unterschiedliche Regeln vor und nach Erreichen der Regelaltersgrenze. Seit Juli 2026 besteht einmalig die Möglichkeit, eine frühere Entscheidung zur Befreiung von der Rentenversicherungspflicht rückgängig zu machen. Wer Minijobs ausübt, sollte prüfen, ob die Zahlung des Eigenbeitrags langfristig vorteilhaft ist. Der digitale Rentenrechner von ver.di bietet einen ersten Überblick über individuelle Ansprüche.
Weitere Bausteine und Forderungen
Neben der gesetzlichen Rente spielen betriebliche Altersversorgung und private Vorsorge eine Rolle. ver.di betont, dass nur die Kombination aus gesetzlicher und betrieblicher Säule eine verlässliche Lebensstandardsicherung garantieren kann. Gleichzeitig weist die Gewerkschaft darauf hin, dass private Vorsorge für viele Geringverdienende unerschwinglich ist und bei Bezug von Grundsicherung angerechnet werden kann.
Blick nach vorn
Die Rentenkommission soll bis Mitte 2026 Empfehlungen für eine dauerhafte Lösung erarbeiten. Für ver.di ist klar: Reformen müssen sozial gerecht gestaltet werden und dürfen nicht zulasten derjenigen gehen, die gesundheitlich oder durch prekäre Erwerbsbiografien keine langen Erwerbszeiten erreichen. Ohne bessere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen bleibt die Frage offen, wie die Rente langfristig ein auskömmliches Alterseinkommen sichern kann.
ver.di bietet Beratung und Informationen für Mitglieder und Ratsuchende an und fordert parallel politische Maßnahmen, die Altersarmut wirksam bekämpfen. Die Debatte ist eröffnet, die Entscheidungen der kommenden Jahre werden über die Tragfähigkeit des Systems für alle Generationen entscheiden.

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