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Teilzeitreserven im öffentlichen Dienst könnten theoretisch die Personallücke schließen

05. September 2026

Teilzeitarbeit verbirgt ein enormes theoretisches Arbeitsvolumen im Staat

Berlin — Der öffentliche Dienst klagt über akuten Personalmangel. Eine noch unveröffentlichte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt nun, dass in den bestehenden Dienstverhältnissen eine gewaltige Arbeitszeitreserve schlummert. Rekonstruiert man die derzeitige Teilzeitarbeit als Vollzeitstellen, ergäbe sich rechnerisch ein Volumen von rund 634000 zusätzlichen Vollzeitarbeitsplätzen.

Die Zahl fällt brisant aus, weil sie nahezu exakt der vom Beamtenbund genannten Lücke entspricht. Die Forscher betonen, dass eine flächendeckende Aufstockung auf Vollzeit unrealistisch ist. Doch selbst moderatere Anpassungen etwa auf das Arbeitszeitniveau von Bundesländern mit höherer Durchschnittsarbeitszeit würden noch hunderte Tausend Vollzeitäquivalente bringen.

Wo das Potenzial besonders groß ist

Die Analyse zeigt, dass das größte theoretische Reservepotenzial in Bereichen liegt, in denen der Mangel besonders spürbar ist. Die IW-Autoren quantifizieren Beispiele in Vollzeitäquivalenten wie folgt:

  • Schulen: 153000
  • Kitas: 54400
  • Kommunalverwaltungen: 41800
  • Hochschulen: 16000
  • Polizei: 10800

Regional betrachtet wäre Bayern am meisten betroffen: Würden dort alle Teilzeitkräfte von Land und Kommunen auf Vollzeit wechseln, entspräche das 129800 Vollzeitkräften. Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg zeigen ebenfalls hohe Potenziale.

Was aus den Zahlen folgt

Ökonomen warnen vor schnellen Schlüssen: Freizeitwünsche, familiäre Verpflichtungen und berufliche Präferenzen machen eine vollständige Aufstockung unrealistisch. Die IW-Studie stellt deshalb die Grundsatzfrage, ob das Problem wirklich ein Mangel an Menschen oder vielmehr eine Überforderung des vorhandenen Personals durch zu viele Aufgaben und zu komplexe Regelungen ist.

Als Lösungsmöglichkeiten nennen die Autoren Maßnahmen zur Entbürokratisierung und eine Prüfung, welche Aufgaben tatsächlich staatlich erbracht werden müssen. Diese Ansätze wären weniger abhängig von kurzfristigen Personalgewinnungen aus der Privatwirtschaft und könnten langfristig effizientere Verwaltungsstrukturen schaffen.

Die Studie liefert damit keine patentierten Rezepte, aber einen nüchternen Befund: Hinter der Klage über fehlende Mitarbeiter liegt ein bislang wenig beachtetes Potenzial, dessen Ausschöpfung politische, rechtliche und gesellschaftliche Abwägungen erfordert.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: bild.de
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