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Teilzeitrekord in Deutschland: Mehr Beschäftigte arbeiten kürzer, aber die Stunden steigen

04. Juni 2026

Teilzeit erreicht Rekordanteil und die Wochenarbeitszeit steigt

Berlin — Im ersten Quartal dieses Jahres arbeitete rund 40 Prozent aller Erwerbstätigen in Teilzeit, so neue Daten des Instituts für Arbeitsmarktforschung. Zugleich stieg die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Teilzeitbeschäftigten auf 18,88 Stunden, 0,3 Stunden mehr als im Vorjahresquartal. Auch Fehlzeiten wegen Krankheit gingen zurück.

Der IAB-Ökonom Enzo Weber bilanziert knapp: «Weniger Erwerbstätige arbeiten mehr». Seine Analyse zeigt, dass im Vergleich zum Vorjahr etwa 270 000 Vollzeitstellen verloren gingen, während rund 150 000 Teilzeitstellen neu entstanden. Parallel dazu nimmt die Bedeutung von Minijobs weiter ab.

Wer ist betroffen und wie verändert sich das Bild?

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeichnen ein differenziertes Bild: Teilzeit bleibt besonders weiblich geprägt. 2025 arbeiteten 50,6 Prozent der Frauen in Teilzeit, bei Männern lag die Quote bei 14,3 Prozent. Dennoch ist die Teilzeitquote unter Männern in den letzten Jahren prozentual stärker gestiegen als bei Frauen: 2015 waren es 10,6 Prozent der Männer und 48 Prozent der Frauen.

  • Erwerbstätige Mütter mit Kindern unter 18 Jahren: 66,4 Prozent in Teilzeit
  • Erwerbstätige Väter: 8,6 Prozent in Teilzeit
  • Teilzeitquote steigt mit dem Alter: unter 55-Jährigen knapp ein Drittel, bei 65-Jährigen mehr als die Hälfte, bei 70-Jährigen gut 90 Prozent

Politische Debatte und Konsequenzen

Die neuen Zahlen treffen auf eine politische Debatte über Arbeitsanreize und Rechte auf Teilzeitarbeit. Zu Beginn des Jahres hatte Kanzler Friedrich Merz kritisiert, in Deutschland werde zu wenig gearbeitet. In einem internen CDU-Papier war zunächst der Begriff Lifestyle-Freitzeit gefallen, wurde aber nach öffentlicher Kritik wieder entfernt. Vertreter des wirtschaftsnahen Flügels fordern strengere Voraussetzungen für einen Rechtsanspruch auf Teilzeit, etwa nur bei Pflege oder Kinderbetreuung.

Wirtschafts- und gesellschaftspolitisch stellt der Trend Fragen nach Vereinbarkeit, Rentenverläufen und Existenzsicherung. Während die Gesamtrechnung von mehr Teilzeitbeschäftigten nicht automatisch ein geringeres Arbeitsvolumen bedeutet, zeigt die Entwicklung, dass Arbeitsmodelle sich verschieben: Teilzeit wird häufiger, und die wöchentliche Arbeitszeit in diesen Beschäftigungsverhältnissen wächst.

Für Beschäftigte, Unternehmen und Politik bleibt nun die Herausforderung, die Balance zwischen Flexibilität, sozialer Absicherung und Fachkräftebedarf zu finden.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: deutschlandfunknova.de
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