Arbeitgeberpräsident fordert Gegenmassnahmen gegen wachsende «Lifestyle-Teilzeit»
Arbeitgeberverband sieht freiwillige Reduktion des Pensums als Risiko für den Arbeitsmarkt
Der Präsident des Arbeitgeberverbands, Severin Moser, hat eine Debatte über zunehmende Teilzeitarbeit angefacht und fordert gezielte Gegenmassnahmen gegen das, was in der Diskussion als «Lifestyle-Teilzeit» beschrieben wird. Aus Sicht des Verbandes gefährdet die freiwillige Reduktion der Arbeitszeit insbesondere angesichts des prognostizierten Fachkräftemangels die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen.
Moser verweist darauf, dass sich die Arbeitswelt in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat: Die Jahresarbeitszeit, viele Ferienwochen und eine wachsende Teilzeitquote führten zu einer merklichen Absenkung des durchschnittlichen Pensums. Zugleich fehlten bis in zehn Jahren nach Berechnungen des Verbands bis zu 500000 Arbeitskräfte, weshalb es nötig sei, vorhandenes Potenzial stärker zu mobilisieren.
Er betont, dass es insbesondere Ü50-Beschäftigte sind, die ihr Pensum freiwillig reduzieren, und nicht primär Eltern oder gesundheitlich eingeschränkte Personen. Deshalb seien Massnahmen gefragt, die nicht nur auf moralische Appelle setzen, sondern strukturelle Anreize verändern: tiefere Grenzabgaben, weniger steuerliche Fehlanreize und eine Anpassung von Tarifstrukturen könnten die Entscheidung, im Erwerbsleben zu bleiben oder das Pensum zu erhöhen, wieder attraktiver machen.
Kritiker aus Gewerkschaften und Gesundheitsbereichen weisen darauf hin, dass viele Teilzeitreduktionen eine Reaktion auf steigenden Arbeitsstress, Zeitdruck und emotionale Erschöpfung seien. Moser nimmt diese Hinweise auf, betont aber, dass Stress nicht allein am Arbeitsplatz entstehe. Digitale Dauererreichbarkeit und fehlende Regenerationszeiten spielten eine grosse Rolle. Als Antwort schlägt der Arbeitgeberverband neben fiskalischen Anpassungen auch betriebliche Massnahmen vor, etwa betriebliches Gesundheitsmanagement, organisatorische Vereinbarungen und Blockzeiten für Sitzungen.
Die Diskussion hat auch eine politische Dimension: Während in Deutschland Debatten um ein Recht auf Teilzeit geführt werden, ist in der Schweiz ein allgemeiner gesetzlicher Anspruch nicht etabliert. Vielmehr verlaufe vieles bisher als Einzelfallvereinbarung zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden. In Bern wies Moser darauf hin, dass Unternehmen flexibel und vorurteilsfrei prüfen müssten, welche Lösungen in einzelnen Abteilungen möglich sind.
Die Auseinandersetzung zeigt die Spannung zwischen individuellen Lebensentwürfen und gesamtwirtschaftlicher Notwendigkeit: Wie lassen sich Erholungsbedürfnis und Gesundheitsschutz mit dem Bedarf an Arbeitsleistung in Einklang bringen, ohne in eine Polarisierung zwischen Arbeitgeberinteressen und Arbeitnehmerbelangen zu geraten? Die Debatte wird in den kommenden Monaten in Politik und Sozialpartnerkreisen weitergehen.

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